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Selten hat mir eine Rezension soviel Spaß gemacht wie diese hier.
Das war bisher noch nicht da, daß ich vorbehaltlos begeistert war
von Videos, die mir etwas übers Dasein der Cowboys und ihrer Pferde
vermitteln wollen. Aber jetzt ist es passiert, und ich weiß gar
nicht, wo ich anfangen soll. Also erst mal ist die technische
Qualität beider Videos hervorragend. Bild und Ton vom Feinsten!
Schnitt, Kommentare, Kameraführung, Aufnahmetechnik, Sprecher -
eins immer besser als das andere. Sogar die Musik paßt und stört
an keiner Stelle (was keine Selbstverständlichkeit ist). Doch worum
geht es? Wenn ich einem guten Freund, der nichts von Pferden und
Westernreiten weiß, mein Hobby, das Westernreiten, das Woher und
Wohin und Warum der Ursprünge und noch dazu meine persönliche Motivation
vermitteln wollte - mit diesen Videos wär's ideal. Die Atmosphäre
ist gleich beim Einstieg ins Thema präsent: Es geht ums Ranch-Pferd.
Wir begegnen Fachleuten, Ranchern, Züchtern, Sattlern, die sich
weniger um Turniere und Bronze-Trophys scheren, sondern darum, Pferde
zu haben, die vielseitig und verläßlich ihren Job machen. Völlig
unprätentiös erklären sie freundlich und geduldig, welche Blutlinien
von ihnen bevorzugt werden - und warum. Ein perfekter Rollback mitten
in der Arbeit, in der Rinderherde, es macht Spaß, das altbekannte
Manöver in der ursprünglichen Anwendung zu sehen. Und was ist da
zu hören? Ein gutes Pferd hat große Hufe, sonst kann es sich
nicht ausbalancieren, kann nicht trittsicher agieren . . . aha! Video
Nr. 1 mit dem Titel "Das Ranch Pferd" beschreibt einen
Tag im Leben eines Ranchpferdes auf der Hochebene des Oklahoma Panhandle.
Der erste Drehort ist das Frühjahrs-Round-up auf der Bar B Ranch
(Best Remuda Award 1996), deren Besitzer zu den Quarter-Horse-Züchtern
der ersten Stunde gehört. Am Ende des Films geht es zum jährlichen
Range-Round-up auf der Lazy E Arena in Guthrie, Oklahoma - und da
geht's wirklich ab. Dort zeigen die Cowboys weniger dem Publikum
als sich gegenseitig selbst, was sie so draufhaben - ein wenig erinnert
die Stimmung an ein Kreisliga-Spiel, es treten die Mannschaften
der lokalen Ranches gegeneinander an, etwa beim Team-Penning. Das
Ganze ist derartig authentisch und kurzweilig eingefangen, daß ich
bedaure, daß die 45 Minuten der Cassette schon vorbei sind. Es
sind Bilder von atemberaubender Schönheit dabei, völlig frei von
jeglichem falschen Pathos oder verklärender Romantik, sogar am Pferd
wurde eine Kamera befestigt, und trotz aller Bewegung des Bildes
kann ich deutlich wahrnehmen, daß unser Kameramann jetzt brav mitgaloppiert.
Am Ende habe ich das Gefühl, ich sei dabeigewesen - und ich spule
das Band zurück und schau' es mir gleich noch einmal an. Die
Texte sind immer gut, der Sprecher macht auch mal längere Pausen
und läßt Bilder und Töne für sich sprechen - das ist wohltuend.
Und, was zur Atmosphäre viel beiträgt: Der Sprecher ist eindeutig
Amerikaner, dessen Deutsch zwar hervorragend ist, der seinen Akzent
jedoch nicht verleugnen kann - und wohl auch nicht will. Oft läßt
er seine Interviewpartner erst einmal reden, so daß vom O-Ton viel
rüberkommt und man sich über einige Feinheiten in den Aussagen der
Leute freuen kann; dann übersetzt und kommentiert er vorsichtig,
und es ist alles richtig ins Deutsche übertragen. Regisseur und
Ton-Regie haben hier ein wirkliches Kabinettstück abgeliefert. Dann
wurden die Leute beim Roping und Branding aufgezeichnet, und man
sieht die ganze Geschichte jener erstaunlichen Pferde, die immer
noch die Arbeit tun, zu der die Zucht sie erstmals bestimmt hatte
- den Job der Arbeitspferde auf den Ranches im amerikanischen Westen.
Die zweite Cassette mit dem Titel „Das Cutting Pferd" gefällt
mir mindestens genausogut. Aus der Perspektive des Pferdes selbst
wird der schnell wachsende Sport des Cutting gezeigt, und der Film
vermittelt mir den Alltag im Training und die Höhepunkte der Cutter,
die ihr Leben dem Auftritt in der Arena widmen. Gefilmt ist das
Ganze "on location" in Texas auf der Sharpe Performance
Horse Ranch, auf Silverado on the Brazos und der NCHA Futurity in
Fort Worth. Wir treffen Trainer wie Ronnie Sharpe und Chubby Turner
- und sogar Meister-Sattler Price McLauchlin berichtet von seiner
Kunst. Ronnie Sharpe schauen wir ein wenig über die Schulter, wie
er diejenigen Techniken demonstriert, die er in den vergangenen
45 Jahren für Weltklasse-Cutting-Pferde entwickelt hat.
Die VHS-Videos kosten je ca. 35,-- € und laufen je etwa 45 -
50 Minuten. Zu beziehen über den Buchhandel oder bei Dennis
Timm, Prozessionsweg 419, 48155 Münster. Weitere Infos unter:
www.buckarooflavour.com
Boy Herre
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